WO ES ALLES ANFÄNGT

Ich verbrachte zwei fürchterliche Jahre damit, meine Partnerin entweder von Arzt zu Arzt zu schleppen oder ihr dabei zu folgen, und es ging ihr in der Zeit nicht besser. Die Diagnose war Bipolare affektive Störung, früher manisch-depressives Irresein genannt. Sie hatte tagelang Höhen, auf die selbstmordgefährdende Tiefen folgten, die immer zu Krankenhausaufenthalten führten.

Während der Krankenhausaufenthalte fand ich es wirklich seltsam, dass sie mich jeden Tag, wenn ich sie besuchen kam, fragte, was sie denn dort mache. Vor den Aufenthalten war sie immer eine Zeit lang beleidigend und verhielt sich unreif für ihr Alter (später stellte sich heraus, dass es sich um eine selbstmordgefährdete Innenperson handelte).

Sie schlief irrsinnig viel. Wann immer ich in das Zimmer ging, um mit ihr zu sprechen, wurde sie äußerst missmutig und sagte mir verletzende Sachen. Seltsamerweise erinnerte sie sich später nie daran, sie gesagt zu haben. Wir nannten dieses Phänomen "Irwin", weil er ein wenig wie Anne Ramsay in "Schmeiß' die Mama aus dem Zug" klang. Ich erwähnte oftmals Irwin den Ärzten gegenüber, aber keiner hatte eine Erklärung.

Niemand konnte helfen. Sie ging mit Zuversicht zu den Ärzten, aber alles, was sie bekam, waren Medikamente und Rezepte. Die Krankenhausaufenthalte wurden häufiger und länger. Wenn sie entlassen wurde, war sie für einige Tage wie im Nebel und ging danach wieder zur Arbeit.

Das letzte Mal, als sie hineinging, ließ der Nebel nicht mehr nach. Er kam mit Stimmen einher. Der Psychiater gab ihr ein Medikament gegen Schizophrenie (Navane), das alles zur Ruhe brachte, aber nach einer Weile waren die Stimmen wieder da, genauso stark wie vorher. Nach einigen Wochen Arbeitspause wurde uns klar, dass dies nicht aufhören würde, und wir stellten einen Antrag auf Anerkennung der Schwerbehinderung.