Optimierung der Innenorganisation für Systeme ab ca. 50 Innenpersonen
- für Fortgeschrittene -

Vorschläge und Anregungen für mittlere und große Systeme
bei Menschen mit MPS, DIS oder bestimmten Arten der DSNNS

So, dieser Text richtet sich an Systeme, die bereits eine ordentliche Anzahl von Innenpersonen aufweisen und bereits über eine gute grundlegende Organisation verfügen. Je mehr ihr seid, desto mehr dieser Tipps können euch was bringen. Einige dieser Tipps bringen euch nur was, falls ihr eine Innenwelt habt, oder falls ihr bereits über eine gewisse Co-Bewusstheit verfügt. Schaut einfach, was ihr verwenden könnt, der Text hier ist nicht das Ultimative für jeden DISler. Kann sein, dass du sogar irgendwas hieraus verwenden kannst, wenn ihr ein knuffiges kleines System mit ganz wenig Leuten seid. Naja, schau halt mal.

Falls die Tatsache, dass ihr sehr viele und nicht nur ein bisschen viele seid, für dich neu ist, wirst du wahrscheinlich sehr beunruhigt sein. Jetzt werde ich Beruhigungszeug quatschen, bei dem du dir erst mal denkst, na, gut hergelabert, was bringt mir das jetzt? Ich kann dir sagen, wir haben schon mehrere solche Phasen hinter uns gebracht, also haben wir da wenigstens ein bisschen Plan von dem, was wir dir hier erzählen. Mittlerweile zählen wir stolze ca. 200 Mitglieder, und wir harren der Dinge, die da kommen werden.

Erst mal ist es nicht gesagt, dass es wesentlich schlimmer sein muss, sehr viele statt nur viele zu sein. Die Organisation ist aufwändiger, das stimmt - aber ihr habt dann dafür auch mehr Leute bei euch, die organisieren und Spezialaufgaben übernehmen können. Ich denke, der "Schweregrad" bei DIS lässt sich nicht alleine anhand der Anzahl der Innies bestimmen. Wichtig sind noch viele weitere Faktoren, die nicht mal miteinander zusammenhängen müssen.


1. Kooperation und Organisation der Leute untereinander, die sich kennen
Arbeitet ihr eher miteinander oder eher gegeneinander?

2. Grad der Co-Bewusstheit
Co-Bewusstheit kann verschiedenes bedeuten. Zum einen ist damit gemeint, dass keine großen Black-Outs vorherrschen. Also sprich, ihr habt keine bedeutenden Zeitlücken und kommt nicht oft irgendwo am Arm der Welt zu euch, ohne zu wissen, wie ihr hingekommen seid. Zum anderen ist mit Co-Bewusstheit gemeint, dass die Innenpersonen was voneinander mitkriegen, sich gegenseitig kennen, z. B. innen miteinander quatschen können.

3. Funktionieren im Alltag
Schafft ihr es, arbeiten zu gehen? Funktioniert der Haushalt? Kommt genug Knete in die Kasse? Könnt ihr öfters Unternehmungen machen, oder euch gut ausruhen?

4. Soziale Kontakte
Habt ihr Freunde, Partner, Verwandte, Bekannte, Kegelbrüder, die okay sind und mit denen ihr einfach ne schöne Zeit verbringen könnt? Könnt ihr euch aufeinander verlassen, euch gegenseitig unterstützen?

5. Täterkontakte
Jou, Täterkontakte tun einem nicht gut und können retraumatisierend sein. Wenn sie weg oder auf ein Minimum reduziert sind, habt ihr bessere Chancen, euch auf Dauer besser zu fühlen.

6. Wohlfühlfaktor
Schafft ihr es, euch zu entspannen und die Seele baumeln zu lassen? Könnt ihr euch richtig freuen über Kleinigkeiten? Gibt es Unternehmungen, die euch Kraft spenden? Oder ist die Welt für euch nur grau?

7. Eure Besatzung
Habt ihr vor allem Problemfälle, oder gibt es intern genügend Leute, die mal mit zupacken können und euch unterstützen?

8. "Eingeweihte" Vertraute
Gibt es Leute, denen ihr den DIS-Kram anvertrauen könnt? Die euch zuhören, denen vielleicht was Konstruktives dazu einfällt? Sehr gut geeignet sind hierfür kompetente Therapeuten, aber eventuell auch andere Betroffene, oder gute Freunde, die selber nicht betroffen sind, sich aber ein bisschen reinversetzen können. DISler sehen diese Problematiken aus einer anderen Perspektive als Leute, die "ganz allein in sich" sind. Von jeder dieser beiden Gruppen könnt ihr gute Tipps bekommen.


Also, du siehst, es gibt viele Faktoren, die Auswirkungen darauf haben können, wie es euch geht. An den meisten Faktoren lässt sich auf Dauer was drehen, was eure Lebensqualität steigern kann. Sprich, nur weil ihr doch mehr seid, als ihr dachtet, heißt das noch lange nicht, dass Holland in Not ist.

Manchmal taucht nur eine "neue" Innenperson auf einmal auf, manchmal ist es eine ganze Gruppe von Neuen. Mit jedem dieser Schübe - so zumindest unsere Erfahrung - treten grausigere Erinnerungen, Gefühle usw. ans Tageslicht. Aber das ist nicht ganz so schlimm, wie es sich anhört. Ihr werdet wohl immer wieder zwischendrin auch auf "Neue" treffen, die völlig unproblematisch sind oder gleich mit anpacken können, das verstärkt euer Team. Außerdem lernt man ja im Laufe der Zeit was dazu. Ganz am Anfang war es für euch wohl eine Riesenüberwindung, überhaupt mit 2, 3... anderen Leuten klarzukommen und Kompromisse auszuhandeln. Mittlerweile ist das reine Routine. Die neuen Probleme sind zwar stärker, aber ihr habt auch dazugelernt. Und einige der Innenpersonen, die früher Problemfälle waren, sind mittlerweile zusammen mit euch zu einem Superteam geworden.

Das ist ein wenig wie in einem Computer-Ballerspiel - von Level zu Level wird es schwieriger, fremde Raumschiffe etc. abzuschießen, aber man bekommt auch eine immer bessere Erfahrung und Ausrüstung. Und wenn ihr bei Level 10 seid, wird euch Level 1 wie Pipifax vorkommen, auch wenn ihr damals ewig dafür gebraucht habt, um das zu bewältigen.

Okay, genug Allgemeines gequatscht. Kommen wir jetzt zum Thema dieses Textes: Optimierung der Innenorganisation.


1. Feststellung der internen vorhandenen Ressourcen

Welche Leute innen drin können alle mit anpacken? Was sind ihre Stärken und Schwächen? Wie viel Energie haben sie zur Verfügung? Wer ist überlastet, wer dreht gelangweilt Däumchen?


2. Feststellung der internen potentiellen Ressourcen

Welche Leute sind euch noch feindlich oder neutral gesinnt, könnten aber viel nützen, wenn ihr sie erst mal für euch gewonnen habt? Welche Leute sind noch schwach und empfindlich, können sich aber bei guter Behandlung erholen und ebenfalls mithelfen? Wen könntet ihr unterschätzen? Es kann zum Beispiel sein, dass man Kindern überhaupt keine Aufgaben zutraut, weil man sie für Kinder, also für schwach hält. Das kann bei einigen Kids ein Irrtum sein, der dazu führt, dass ihr euer System nicht optimal nutzt und zu schnell ausgepowert seid.

Vergiss auch Innenpersonen mit ganz beschränkten Funktionen nicht (Fragmente) - einigen von diesen können auch sinnvolle Aufgaben zugeordnet werden, falls sie diese nicht schon erledigen. Egal wie gering diese Aufgaben sind, sie können euch entlasten, und das Fragment merkt, dass es gebraucht und ernstgenommen wird, auch wenn es nicht so "mächtig" wie eine komplexere Innenperson ist, und freut sich hoffentlich darüber.


3. Feststellung des internen vorhandenen Bedarfs

Welche Problemfälle habt ihr in euch? Welche internen Aufgaben fallen an? Wie viele und welche Frontleute könnt ihr gebrauchen? Welche Aufgaben sind Vollzeitjobs, welche Nebenjobs? Welche Personen könnten einen oder mehrere Nebenjobs gebrauchen?


4. Feststellung des internen potentiellen Bedarfs

Was könntet ihr innen verbessern? Welche Reserven könntet ihr mal für bestimmte Situationen gebrauchen? Steht in nächster Zeit Stress an (außen oder innen)? Wenn ja, welche wichtigen Funktionen könnten dann bei euch zu knapp besetzt sein?


So, und nun geht's an konkrete Tipps.


1. Alltags- und Notfallpläne erstellen

Wie auch immer ihr euch organisiert, ich würde euch empfehlen, von vornherein drei Pläne zur Verfügung zu haben. Das eine ist der Plan für normale Zeiten, das andere der Plan für normale Stresszeiten, und das dritte der Notfallplan, wenn es wirklich zu extrem kritischen Zeiten oder Situationen kommt. Dazu gehört z. B., welche Innenpersonen im Notfall von ihrem normalen Posten abgezogen werden können, um besonders dringliche Aufgaben zu übernehmen, wie man die Leute umschichten kann, wie man die Innenwelt abändern kann. Dann müsst ihr weniger auf die Schnelle improvisieren und habt auf alle Fälle schon mal etwas, worauf ihr zurückgreifen könnt. Anpassen könnt ihr den Plan dann immer noch. Falls ihr ein großes System seid, werdet ihr vermutlich bereits eine (oder mehrere) Innenpersonen haben, die nur für die Koordination zuständig sind. Diese Innenperson kann dann nebenberuflich immer wieder mal an diesem Plan herumbasteln und ihn an eure aktuelle Belegschaft anpassen. Bei uns ist es im Notfall so, dass kurzzeitig einer bestimmt, was gemacht wird, das geht dann schneller als bei Verhandlungen, und wir haben nicht so einen "Leerlauf", den wir uns nicht leisten können. Im Normalfall und in noch erträglichen Stresszeiten haben wir allerdings eher ein Mittelding aus Demokratie und Anarchie. Naja, vielleicht reichen euch auch zwei Pläne, oder ihr braucht vier oder fünf.


2. Innenstruktur und -kommunikation optimieren

Darüber könnte man ein ganzes Buch schreiben. Ab einer gewissen Anzahl von Personen kann es sich rentieren, Leute nur für die Aufgabe zu haben, Informationen hin- und herzutragen, und/oder im System herumzuschauen, wo es Schwierigkeiten geben kann.

Innenpersonen mit ähnlichen Interessen könnt ihr versuchen, zu Gruppen zusammenzufassen. Die einzelnen Gruppen von Innenpersonen können sich einen Sprecher aussuchen, der ihr Anliegen vorbringt, das verringert das Gequatsche in eurem Schädel. Nicht bei jeder kleinen Abstimmung über Krimskrams (z. B. was kochen wir heute Abend?) muss wirklich jeder dabeisein und mitquatschen - das ist bei großen Systemen manchmal nicht machbar. Da kann sich eine Art Parlament rentieren und Ressourcen sparen. Ebenso könnt ihr es auch so machen, dass die einzelnen Gruppen über so was in einer Art Rotationsverfahren abstimmen - mal entscheidet Gruppe A, mal Gruppe B usw.

Falls ihr eine Innenwelt habt, kann es sich rentieren, einen neben- oder hauptberuflichen "Waldläufer" zu beschäftigen. Dieser geht von einer Ecke zur anderen und baut Wegweiser auf, auf denen steht, wo man welchen Teil der Innenwelt finden kann, und legt Wege an, die es erleichtern, von einem Teil zum nächsten zu kommen. Dann irren zumindest diejenigen Innenpersonen bei euch nicht planlos rum, die lesen können - auch das spart Ressourcen. Die ganz Kleinen können ja immer noch jemanden am Hemdzipfel packen, der lesen kann und ihnen erklärt, wo sie wen und was finden können. Vielleicht sind euch andere Methoden lieber (Beamer z. B. sind ja auch was echt bequemes), aber das Prinzip ist, denken wir, brauchbar.


3. Fixe und mobile Arbeitsplätze

Manche Arbeitsplätze sind immer am selben Ort (also fix), andere Innenpersonen haben keinen festen Arbeitsplatz, sondern rennen hin und her, wie z. B. Boten, Waldläufer oder was ihr auch immer habt. Gut ist, wenn die Leute mit mobilen Arbeitsplätzen einen Ort haben, an dem sie regelmäßig vorbeischauen und sich Botschaften und Informationen abholen können, dann muss man die nicht suchen gehen. Auch das spart Energie und Nerven.


4. Springer

Ich empfehle, einen oder mehrere Springer zu organisieren. Das sind Innenpersonen, die nicht extrem in eine Ecke ausgerichtet sind, sondern "von allem etwas und von jedem nix" können. Ihr Hauptjob ist, für andere einzuspringen, die gerade nicht arbeiten können oder wollen. Selbstverständlich werden sie die Arbeit wohl nicht so gut verrichten können wie diejenigen, die sie ersetzen, aber besser als nix ist es allemal.


5. Gewerkschaft und Dekorateure

Eine oder mehrere Innenpersonen, die neben- oder hauptberuflich dafür sorgen, dass überarbeitete Innenpersonen Urlaub nehmen, oder dass ihre Arbeitsbedingungen verbessert werden. Vielleicht möchten sie auch einen anderen Job haben? Die Gewerkschaft kann sich jedenfalls kundig machen, wo noch Verstärkung benötigt wird, und den Leuten diese Ersatzjobs anbieten. Ebenfalls kann eine Gewerkschaft dazu nützlich sein, anderen Innenpersonen Ideen für die Inneneinrichtung zu liefern, wenn sie eh schon vor Ort ist. Gibt ja Innenpersonen, die kommen nicht auf die einfachsten Ideen. Am besten, ihr sucht euch einen Gewerkschaftler/Dekorateur, der sich ohnehin schon sehr gut im System auskennt, und der Umgangsformen hat, mit denen möglichst viele im System gut klarkommen. Tja, und wenn er Inneneinrichtungen plant, sollte er dabei nicht unbedingt seinen persönlichen Geschmack durchsetzen, sondern sich an den Geschmack anderer Leute anpassen können. Dann verpasst er nur relativ wenig Personal und wird auch gut angenommen.


6. Urlaubsort

Wo kann ein Innie hin, der Urlaub braucht? Ich würde vorschlagen, ihr legt euch in der Innenwelt einen Urlaubsort an. Am besten, ihr stattet den erst mal mit dem üblichen Krams à la Neckermann aus - Palmenstrand, Berge und so was. Ihr könnt sogar Museen oder gar ein Venedig oder eine Weltausstellung dort einrichten! Ideenlose Innenpersonen sowie welche, die keine Sonderwünsche haben, werden dann schon was finden, was ihnen passt, ohne selber rumbasteln zu müssen. Einen Teil des Urlaubsortes würde ich allerdings "blank" lassen, wer Extrawünsche hat, kann sich dann dort was Eigenes einrichten (lassen) und das vor der Rückkehr zur Arbeit wieder entfernen.


7. Azubis/Ersatzleute

Wenn eine Innenperson als Einzige eine wichtige Aufgabe bewerkstelligen kann, ist das in einem großen System unter Umständen ein Schwachpunkt. Wenn sie nicht mehr kann oder will, fällt diese Aufgabe flach. Ich denke, es ist nicht gut, wenn die Innenperson das weiß - das macht ihr zusätzlichen Druck, und sie kann nie Urlaub machen. Ihr könnt ihr einen Auszubildenden zur Seite stellen, den sie in ihre Aufgabe einweist, und der sie mit ihr zusammen, oder an ihrer Stelle später haupt- oder nebenberuflich erledigen kann. Ein Azubi/Ersatzmensch ist so ähnlich wie ein Springer, nur wesentlich spezialisierter.


8. Rotationsverfahren

Es ist nicht verkehrt, einer Innenperson gelegentlich eine neue, passende Aufgabe zuzuweisen. Sie wächst daran, lernt dazu, lernt unter Umständen neue "Kollegen" kennen, kann sich leichter in andere Leute reinversetzen und erweitert ihren Horizont. Wenn ihr gelegentlich die eine oder andere Aufgabe umverteilt, kann das eurem System also nur nützen. Zu extreme Umverteilungen würde ich aber nicht auf einmal vornehmen, weil das System sonst vorübergehend geschwächt ist.


9. Feierabendeinrichtungen

Es muss nicht immer gleich ein vierwöchiger Urlaub sein. Manchmal reicht es ja, wenn man sich kurz entspannen oder vergnügen kann. Diskos, Konzertsäle, Kinos, Kneipen, Fußballplätze, Box-Clubsäle, Säle voller Aquarien und Abenteuerspielplätze sind nur einige der vielen Möglichkeiten, die euch zur Verfügung stehen. Die Leute können sich dort treffen, miteinander Schwätzchen halten und sich so besser kennen lernen. Sie teilen ein Interesse, und das verstärkt ihre Bindung zueinander. Falls ihr einen internen DJ, Clown, Barkeeper oder ähnliches habt, würde ich ihm eine entsprechende innere öffentliche Einrichtung zur Verfügung stellen. Das hat drei Vorteile: er ist voll in seinem Element und tut, was ihm Spaß macht. Er macht anderen eine Freude und pflegt die Einrichtung. Und nicht zuletzt - irgendwann kennt er doch einen ansehnlichen Teil eurer Belegschaft und kann euch informieren, wie es den Leuten so geht. Womöglich spazieren bei ihm manchmal Innies rein, die ihr noch nie gesehen habt!


10. Innere Kopie eurer Bude

Nicht verkehrt ist es meiner Meinung nach, in eurer Innenwelt eine Kopie eurer äußeren Wohnung zu erstellen - auf dem aktuellen Stand. Falls ihr jemanden innen auftreibt, der keine Ahnung hat, wo ihr jetzt wohnt, und er kann nicht mit euch kommunizieren, wenn er draußen ist, ist eine solche Kopie Gold wert. Dann kann ihn sich nämlich einer bei der Hand nehmen und ihm erklären, wo ihr jetzt wohnt, und was er in der Wohnung wo finden kann. Falls er dann irgendwann alleine rausflutscht, ist er nicht völlig desorientiert.


11. Foto- oder Bilderalben

Diesen Tipp hab ich mir vom Sohn einer Alzheimer-Patientin abgeguckt, aber er lässt sich auch in der Innenwelt von Multis gut anwenden. Ihr bastelt intern (und/oder extern) ein Fotoalbum (oder mehrere), in dem eure jetzige Wohnung, Arbeits- oder Ausbildungsstätte, Stammkneipen, eure Freunde, euer Außenkörper usw. abgebildet sind, mit kleinen Kommentaren unter den Bildern. Ebenso könnt ihr (intern und/oder extern) ein Fotoalbum anlegen, in dem die Innenpersonen zu bewundern sind, mit einigen Eigenschaften von ihnen, die drunter stehen.

Sind Fotos ein Triggerfaktor für einige von euch? Dann könnt ihr ja statt Fotos Bilder nehmen. Kupferstiche z. B. sehen sehr schick aus, und wenn das Album intern ist, muss ja niemand von euch ein begnadeter Künstler sein, damit es was hermacht. Diese Alben könnt ihr dann planlosen Innies zeigen, die ihr neu aufgegabelt habt. Außerdem könnt ihr stolz darauf sein, dass ihr mittlerweile ein Album füllen könnt, denn das heißt, dass ihr intern bereits recht gut Kontakte gebacken bekommt. Und kann es nicht schön sein, gelegentlich in diesem Album zu blättern und zu sehen, was für eine Vielfalt ihr zusammen ergebt?


12. Schiedsstelle/internes "Genf"

Das ist nicht so krass, wie es sich anhört. Es handelt sich lediglich um eine Stelle mit einer oder mehreren unparteiischen Innenpersonen, die sich anhören, was Streithähne bei euch für ein Problem miteinander haben. Die Schiedsstelle bringt dann einen Schlichtungsvorschlag vor, oder mehrere, und die Innenpersonen überlegen sich, ob sie mit dem Kompromiss einverstanden sind.

Falls bei euch mehrere größere Gruppen nicht gut aufeinander zu sprechen sind, könnt ihr auch versuchen, ein "internes Genf" anzulegen. Das ist ein neutraler Ort, der von neutralen Innenpersonen regiert wird. Dort können sich Diplomaten der einzelnen Gruppen treffen und miteinander verhandeln, während die "Genfer" dafür sorgen, dass die Treffen in einem möglichst gastfreundlichen und komfortablen Rahmen stattfinden, dass Extrawünsche der Gäste erfüllt werden und keine Attentate und sonstiger Mist dort stattfinden können. Selbstverständlich werden die Genfer für diesen Service fürstlich belohnt, bitte von allen Parteien, wenn es geht, damit sie neutral bleiben. Woher der Name? Ganz einfach, in Genf werden öfters Verhandlungen zwischen zwei oder mehreren uneinigen Ländern geführt, und die Schweiz ist ein wohlhabendes, stabiles Land ohne Bürgerkriegsgefahr u. ä. sowie für ihren guten Service berühmt.


13. Anwälte

Eine oder mehrere neutrale, durchsetzungsfähige Innenpersonen mit stark ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn, die intern rumgehen und nach Leuten suchen, die sich ungerecht behandelt fühlen. Kann ja nicht jede Innenperson von sich aus zuständige Stellen aufsuchen, wenn ihr was nicht passt, und nicht jede Innenperson ist sich klar darüber, dass sie Rechte hat, und kann sich gut durchsetzen und Grenzen ziehen. Der Anwalt geht dann mit seinem "Mandanten" zu der jeweiligen Stelle und beschwert sich dort über die ungerechte Behandlung.


14. Dummies

Es gibt eigentlich keinen richtigen Begriff für diese Nicht-Innenpersonen, ich nenne sie mal hier Dummies (Aussprache: Dammies). So heißen sonst diese Puppen, mit denen man Crash-Tests durchführt, um zu sehen, wie Autos sich bei Verkehrsunfällen verknautschen. Ein Dummy ist keine Innenperson, weder eine komplexe noch ein Fragment noch sonst was. Sondern es handelt sich um eine "künstliche" Figur, die ein Element eurer Innenwelt ist und genauso auch erschaffen und beseitigt werden kann. Ohne Spaltung, ohne Schaden, ohne nix. Ebenso, wie ihr z. B. intern eine Cocktailbar erschaffen könnt, könnt ihr auch dazugehörige Dummy-Butler erschaffen. Vielleicht könnt ihr auch Dummies als Boten oder dergleichen verwenden. Ein Dummy hat kein eigenes Ich, keine Erinnerung, keine Seele. Ich weiß nicht, wie vielseitig Dummies bei euch verwendbar sind, bei uns können sie nur sehr begrenzte Aufgaben wahrnehmen. Dennoch spart der Einsatz von Dummies einige Arbeitsplätze ein, und somit können die freigestellten Innenpersonen andere Aufgaben übernehmen.


15. Hau-den-Täter-Raum

Manche eurer Innenpersonen sind vermutlich voller Angst vor euren Tätern, trauen sich aber vielleicht nicht, die Angst in Wut umzukanalisieren. Oder wie auch immer. Jedenfalls gelten ja Wut und Zorn in unserer abendländischen Kultur als schlechte Gefühle, ich würde aber eher sagen, wenn man seine Wut rauslassen kann, sich austoben kann, geht es einem danach besser. Das bringt mehr, als ewig vor sich hinzugrummeln.

Also, ein Hau-den-Täter-Raum ist ein von außen blickdichter Raum, in den man gehen kann. Drinnen befindet sich ein Dummy von eurem Täter/ Dummies von euren Tätern. (Bitte keine Innenpersonen dafür verwenden, die Täterintrojekte sind, das wäre fies - die können ja auch nix dafür, dass sie so geworden sind!) Der Dummy ist natürlich sehr geschwächt oder wehrlos, und schon kann die Post abgehen. Falsche Hemmungen braucht man da nicht haben, schließlich ist das alles im Reich der Phantasie, euer Zorn ist sehr gut begründet, und strafbar macht ihr euch auch nicht. Was meint ihr, was Otto Normalverbrauchern oft spontan durch den Kopf geht, sie aber extern nie machen würden? Redensarten wie "ich könnte dem die Ohren langziehen", "der Depp gehört echt erschlagen" und noch viel krassere geben einem da einen guten Einblick.

Mit diesem Raum konnten wir schon mehrere unserer Kids aus ihrer Erstarrung befreien - man erklärt vorher, was das für ein Raum ist, und was die da anstellen können. Ich weiß nicht, wie oft wir den Dummy wieder zusammenflicken mussten, aber jedenfalls ging es den Leuten danach besser. Also jedenfalls hält sich mein schlechtes Gewissen dabei doch seeeehr in Grenzen ;-).


Die meisten dieser Vorschläge fressen zunächst mal Zeit und ziehen euch Personal ab. Ich denke aber, auf Dauer rentieren sie sich, weil das System dann entspannter und "runder" läuft. Es kann sich lohnen, einige Leute für solche Spezialaufgaben einzuplanen, und entsprechende Gebiete anzulegen, wenn dafür das gesamte System effektiver laufen kann. Außerdem könnt ihr diese Leute im Notfall auch mal für ein Weilchen abziehen und für Notaufgaben verwenden. Es müssen ja nicht alle diese Einrichtungen und Jobs permanent vorhanden sein. Ich empfehle sowieso, im Normalfall nicht mehr als maximal 80 - 90 % eurer Ressourcen zu verwenden, falls es irgendwie möglich ist. Denn sonst seid ihr zu schnell fix und alle, und ihr könnt keinen "Turbo" mehr einlegen, wenn mal schwierige Zeiten anstehen.