The Many Mini Minds
(Anm. der Übersetzerin: Sowohl Originaltext als auch Übersetzung sind NICHT GESPLATTET.)
Ich habe im Zweifelsfall nur die männliche Form gewählt (z. B. "Therapeut"), weil ich die modernen Formen persönlich auch etwas unglücklich finde und der Meinung bin, dass sie das Lesen erschweren ("dein(e) PartnerIn"/"dein Partner oder deine Partnerin"). Dies ist weder von Amanda noch von uns sexistisch gemeint. Im Englischen gibt es hier keine Unterscheidung zwischen männlich und weiblich.
Statt "man" habe ich meistens "du" verwendet. Bei der Übersetzung habe ich auch oft "du" verwendet, wenn "ihr" genauso angebracht gewesen wäre.
Manche Sachen, insbesondere wenn es um das Gesundheitssystem oder um Versicherungen geht, sehen hierzulande ganz anders aus als in den USA.
Ich bin hier nur die Übersetzerin. Das heißt, ich bin nicht unbedingt bei jeder einzelnen Kleinigkeit derselben Meinung wie Amanda. Aber der Text ist echt lesenswert und hilfreich und meines Wissens der einzige deutschsprachige Text im Internet zu diesem Thema.
Viel Spaß beim Lesen!
Puzzle
Willkommen bei den Many Mini Minds (Anm. d. Übers.: Titel ist schwer übersetzbar, bedeutet etwa "Die vielen kleinen Seelen"), einer Webseite über "Dissoziative Störung(en), nicht näher spezifiziert". Diese Seite wurde einerseits erschaffen, damit Menschen, die diese Diagnose gestellt bekommen haben, etwas haben, worauf sie sich beziehen können, und andererseits auch, damit Menschen, die Probleme mit Dissoziation haben, besser mit den Besonderheiten klarkommen zu können, die sie erleben.
UPDATE vom Oktober 2001:
Wir haben jetzt einen neuen Psychiater, und dieser Mensch hat uns die Diagnoses MPS/DIS gestellt. Dadurch kommt ein interessanter Aspekt auf - auf welchem Punkt im dissoziativen Kontinuum sich jemand befindet, hängt nämlich davon ab, wie der Arzt diese Person sieht, und es kann auch von Arzt zu Arzt verschieden sein. Außerdem könnte es sein, dass jeder Mensch, der eine dissoziative "Störung" hat, sich tagesabhängig an verschiedenen Punkten entlang des Kontinuums befinden kann.
Ich hoffe, dass diese Webseite für Leute von Hilfe sein wird, die Probleme mit Dissoziation und verwandten Erscheinungen haben, unabhängig davon, ob sie die Diagnoses MPS/DIS, DSNNS (dissoziative Störung, nicht näher spezifiziert) oder eine andere dissoziative Störung haben. Da wir nun mit DIS diagnostiziert wurden, haben wir erneut eine Phase der Verwirrung und Verleugnung durchlebt, aber wir versuchen, uns daran zu erinnern, dass es wirklich keinen großen Unterschied zwischen DDNOS und DIS gibt. Also werden wir diese Seite zunächst so, wie sie ist, beibehalten, und wir hoffen, dass ihr sie nützlich findet.
"Dissoziative Störung, nicht näher spezifiziert", oft mit "DSNNS" oder dem englischen "DDNOS" abgekürzt, ist ein diagnostisches Kriterium der DSM-IV (diagnostic and statistical manual of Psychiatric disorders, aktuelle Ausgabe; Anm. d. Übers.: gilt auch bei uns) der Amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung. Dissoziative Störungen beinhalten die Depersonalisationsstörung, dissoziative Amnesie, Dissoziative Fugue und dissoziative Identitätsstörung, früher multiple Persönlichkeitsstörung genannt. Die Diagnose DSNNS wird gestellt, wenn das Hauptproblem Dissoziation ist, aber nicht in eine der obengenannten spezifizierten Kategorien fällt. Oft bedeutet dies, dass der Betroffene verschiedene Merkmale verschiedener dissoziativer Störungen aufweist, aber nicht jeweils genug Kriterien für irgendeine einzelne Störung erfüllt. Sie kann sich auch auf untypische Fälle beziehen oder auch einfach genutzt werden, wenn der Arzt weiß, dass das Problem in die allgemeine Kategorie fällt, er aber noch mehr Untersuchungen anstellen muss, um herauszufinden, um welche dissoziative Störung es sich genau handelt. Dies ist bei nicht näher spezifizierten Störungen in der DSM-IV oft der Fall.
Häufig werden Leute in diese Kategorie eingestuft, die Charakteristiken aufweisen, die denen der multiplen Persönlichkeitsstörung ähnlich sind. In anderen Worten, es handelt sich um Menschen, die sich selbst so empfinden, dass sie andere Seiten in sich haben, die sich fühlen, als würden sie aus mehr als einer Person bestehen... aber sie erfüllen nicht alle spezifischen Kriterien für die dissoziative Identitätsstörung. Andere Fälle der DSNNS betreffen Leute, die "Derealisation", nicht aber Depersonalisation erleben, das heißt, sie erleben regelmäßig einen traumähnlichen Zustand, während sie wach sind... oder Leute, die oft nicht fähig sind, sich an Zeitabschnitte zu erinnern, die sich aber niemals fühlen, als wären sie eine andere Person. Ein anderes Beispiel, das in der DSM-IV erwähnt wird, ist dissoziative Trance, die einem hypnotischen Zustand sehr ähnelt. Dies würde auch "Besessenheitstrance" beinhalten, oder die Ersetzung der eigenen persönlichen Identität durch eine spirituelle Identität oder eine andere Person (vorausgesetzt, die Trance wird nicht mit weithin akzeptierten kulturellen oder religiösen Praktiken in Verbindung gesetzt).
Einige Formen der DSNNS, die in der DSM-IV erwähnt werden und eher selten sind, sind Bewusstseinsverlust, Stupor oder Koma, welche nicht durch eine allgemeine medizinische Krankheit verursacht werden, sowie das "Ganser-Syndrom" - eine dissoziative Reaktion auf Stress, bei der der Betroffene auf einfache Fragen etwas "daneben" antwortet (wie etwa 2+2 gleich 3), obwohl er die richtige Antwort weiß. Vermutlich ist diese Störung eher bei Gefängnisinsassen zu beobachten.
Das Wichtige dabei ist, dass es sich hier nur um einige Beispiele handelt; jedoch bekommt alles diese Bezeichnung, was als eine Störung (d. h. die Verhaltens- und Wahrnehmungsmuster stören das Wohlgefühl des Betroffenen auf die eine oder andere Weise, und er leidet darunter) klassifiziert werden kann und unter die Hauptkategorie der Dissoziation fällt, aber nicht in eine genauere Unterkategorie passt.
Außerdem beschreibt die ICD-9 (die von Krankenhäusern benutzt wird, um medizinischen Krankheiten eine Diagnose zuzuordnen - und die auch der internationale Standard ist), die "Dissoziative Störung oder Reaktion, unspezifiziert" (code 300.15) als:
"Eine hysterische neurotische Episode, die plötzliche, aber vorübergehende Veränderung im Erleben der Identität, des Gedächtnisses oder des Bewussteins hervorruft; der Betroffene erlebt voneinander getrennte Gedächtnismuster, die außerhalb der individuellen dominanten Persönlichkeit existieren."
Das Wort "hysterisch" bezieht sich auf einen ungewollten Verlust oder eine ungewollte Beeinträchtigung der körperlichen oder psychologischen Funktion (z. B. Gedächtnis oder Sicht), wobei eine organische Ursache ausgeschlossen ist. "Neurotisch" ist ein psychodynamischer Ausdruck, der sich auf eine Störung bezieht, bei der ein unangepasstes Verhalten als Schutz gegen unbewusste Ängste dient.
Ich nenne dies die "many mini-minds" weil ich mir das so vorstelle, dass die Integrität des Ichs in einen Haufen kleiner Stücke gespalten ist, die ihre eigene Art haben, die Welt und den Menschen, zu dem sie gehören, zu betrachten, und die ihre eigenen Fähigkeiten (nützlich oder auch nicht) entwickelt haben, um mit dem Körper umzugehen, zu dem sie gehören. Jeder Mensch hat dies bis zu einem gewissen Punkt, aber für mich ist eine dissoziative Person fähig, viele Seelen zu haben, die jeweils anders fühlen und denken, aber vom selben Körper aus handeln. Dies scheint bei vielen Leuten der Fall zu sein, die mit dissoziativen Störungen diagnostiziert werden.
Während diese Webseite versucht, Fragen abzudecken, die die meisten Dissoziativen betreffen, bezieht sie sich wohl am meisten auf die "üblichste" form der DSNNS, die der dissoziativen Identitätsstörung ähnlich ist, aber bei der die Teile/Innenpersonen sich weniger voneinander unterscheiden und stärker co-bewusst sind. Falls Du die Diagnose DSNNS gestellt bekommen hast und findest, dass dein Empfinden stark von dem hier beschriebenen abweicht, oder falls du eine unübliche Art der Dissoziation hast, würde ich mich über einen Bericht von dir sehr freuen. (Anm. d. Übers.: Amanda kann auch etwas deutsch). Ich würde auf dieser Seite auch gerne andere Formen der DSNNS abdecken, aber ich weiß nicht viel über sie.